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Der Onlinekatalog der Zentralen

*** Willkommen bei unserem Adventskalender! ***

Hinter jeder Kugel unseres musikalischen Adventskalenders verbirgt sich ein anderer politischer Song. Von jedem Song werden zunächst nur ein paar Liedzeilen veröffentlicht, anhand derer es dann zu erraten gilt:

- Wie lautet der Songtitel?
- Wer hat ihn
  gesungen?
- In welchem Jahr ist er entstanden?

Wer miträt, kann natürlich auch etwas gewinnen :-) Hier zu den Teilnahmebedingungen und Preisen.

Am jeweils darauf folgenden Tag lösen wir die Fragen auf bzw. veröffentlichen den gesamten Liedtext und den Song zum Nachhören.

Viel Spaß beim Mitraten!

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SONG 1

AUFLÖSUNG

Konzert 2019

Konzert 1988

 

1000 GUTE GRÜNDE von den TOTEN HOSEN
1988 erstmals erschienen
2019 neu arrangiert


Hohe Berge, weite Täler
Klare Flüsse, blaue Seen
Dazu ein paar Naturschutzgebiete
Alles wunderschön
Wir lieben unser Land!

Totale Pflichterfüllung
Ordnung und Sauberkeit
Alles läuft hier nach Fahrplan
Der Zufall ist unser Feind

Wir lieben unser Land
Unser Fernsehprogramm
Unsere Autobahn
Wir lieben unser Land

Es gibt 1000 gute Gründe
Auf dieses Land stolz zu sein
Warum fällt uns jetzt auf einmal
Kein einziger mehr ein?

Unser Lieblingswort heißt Leistung
Wir sind auf Fortschritt eingestellt
Nicht ist hier unkäuflich
Wir tun alles für gutes Geld

Wir lieben unser Land
All die Korruption, die Union
Wir lieben unser Land

Es gibt 1000 gute Gründe
Auf dieses Land stolz zu sein
Warum fällt uns jetzt auf einmal
Kein einziger mehr ein?

Unsere Pässe sind fälschungssicher
Und unser Lebenslauf bekannt
Keiner scheint hier zu merken
Dass man kaum noch atmen kann

Wir lieben unser Land!
Für jeden Querkopf ein Gummigeschoss
Wir lieben unser Land!
Wir lieben unser Land!

Wo sind all die ganzen Gründe
Auf dieses Land stolz zu sein?
So sehr wir auch nachdenken
Uns fällt dazu nichts ein!

All die ganzen Gründe...

 

ZUR ENTSTEHUNG

"1000 gute Gründe" ist ein Song der Düüseldorfer Band "Die Toten Hosen" aus dem Jahr 1988. Die Band ist nun seit fast vier Jahrzehnten mit Punkrock musikalisch unterwegs und hat sich aus der deutschen Punkbewegung entwicklelt. Den Song "1000 gute Gründe" hat die Band dreißig Jahre danach für ihr neues Album "Alles ohne Strom" mit einer Bigband nochmals neu arrangiert. Die Gruppe unter Bandleader Campino setzt sich in ihren Songs mit Themen aus dem sozialen und politischen Bereich kritisch und oftmals satirisch und provokativ auseinander.

"1000 gute Gründe" gibt es, eurem Songtitel nach, auf Deutschland stolz zu sein?

Campino: "Der Text soll provokant sein. Er richtet sich gegen die Menschen, die das Wort "stolz" als Parole missbrauchen. Stolz auf Deutschland zu sein, ohne etwas dafür getan zu haben, habe ich nie richtig verstanden. Es ist ein Lebenszufall, vielleicht auch ein Lebensglück, dass man hier gelandet ist. Man kann nur stolz auf Verdienste sein - aber das ist kein Verdienst. (...) Wir schleudern in diesem Song provozierend zurück: Was gibt`s denn hier, um stolz zu sein, ohne dass du was gemacht hast? (...)
Obwohl ich auch viel an Deutschland schön und verteidigenswert finde, wird es mich nicht daran hindern, es noch schöner haben zu wollen, noch weltoffener, noch toleranter."

Was hast du an Deutschland lieben gelernt?

Campino: "Draußen in der Welt habe ich irgendwann entdeckt, was schön ist an zu Hause. Ich habe vieles von dem, was meine Heimat prägt und ausmacht, inzwischen liebgewonnen. Das Wegfahren hat mir mein eigenes Land nähergebracht.

Deutschland ist um einiges vielfältiger, als ich früher gedacht habe. Das Land hat eine wahnsinnige Bandbreite, an Natur wie an Menschen. Die Leute bei uns sind, im Verhältnis zu anderen Ländern, ziemlich selbstkritisch und zum großen Teil auch tolerant. Insgesamt haben wir eine gesunde Einstellung zu uns selbst und zu unserer Nation. Das Bewusstsein gegenüber unserer Geschichte ist immer noch in großen Teilen da und wird bis heute berücksichtigt. Manche Politiker versuchen, das wegzustampfen, aber im Vergleich zu anderen Ländern sind wir ordentlich aufgestellt."

Nun haben wir im Vergleich zu anderen Ländern . . .

Campino: ". . . auch für größere Katastrophen gesorgt, keine Frage. Unser Denken und Handeln ist eine Folge unserer faschistischen Vergangenheit. Engländer, aber auch Franzosen stellen ihre Nation viel weniger infrage als wir, was manchmal sympathisch ist, manchmal aber auch unangenehm.

„1000 gute Gründe“ gehört zu den Liedern, die grundsätzlich aktuell geblieben sind. Erstaunlicherweise ist der Text nicht verstaubt, was nicht unbedingt für die politische Situation hierzulande spricht. Dadurch, dass wir immer noch ein Problem mit rechtem Gedankengut haben, ist dieser Titel nach wie vor aktuell."

Haben Sie selbst als auf der Bühne exponierter, gegen rechts und auch sonst nie meinungsscheuer Künstler manchmal Angst, dass Ihnen im Konzert etwas passieren könnte?

Campino: "Daran denke ich möglichst nicht. Ich sehe natürlich, dass ich polarisiere. Dass es viele Menschen gibt, die mit mir ein Problem haben. Ich glaube aber, dass das, was ich tue, das Geringste ist, was ich als Solidarität leisten kann – gegenüber Leuten, die aufgrund ihrer Hautfarbe oder Religion viel größere Angst und mehr Schwierigkeiten haben müssen als ich. Ich denke auch, dass Menschen, die so in der Öffentlichkeit leben wie ich, genau dadurch einen gewissen Schutz haben. Man weiß, wenn so einer angegriffen wird, wird die Polizei alles daransetzen, den Täter zu finden. Solche Überlegungen würde sicherlich auch ein potenzieller Täter einbeziehen. Wie es auch ist, am Ende des Tages darf man sich, wenn man eine feste Meinung hat, durch solche Ängste nicht dazu bringen lassen, den nötigen Schritt nach vorne nicht zu tun."

Quellen: Schwäbische Zeitung, Aachner Zeitung ,, Düsseldorfer Anzeiger, , Redaktionsnetzwerk Deutschland,

 

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

zu den Themenbereichen Fremdenfeindlichkeit begegnen und Populismus und Nationalismus in unserem Themenkatalog.