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*** Willkommen bei unserem Adventskalender! ***

Hinter jeder Kugel unseres musikalischen Adventskalenders verbirgt sich ein anderer politischer Song. Von jedem Song werden zunächst nur ein paar Liedzeilen veröffentlicht, anhand derer es dann zu erraten gilt:

- Wie lautet der Songtitel?
- Von wem wird er
gesungen?
- In welchem Jahr ist er entstanden?

Viel Spaß beim Mitraten!

SONG 8

Song 8

> Auflösung

 

DOPPELHERZ aus dem Jahr 2018, gesungen von HERBERT GRÖNEMEYER und
BRKN

Jeder braucht seinen Fluchtpunkt
Seinen Platz, 'ne zweite Heimat
Sehnsuchtsort unter Palmen
Hochplateau oder Meer satt

Herkese ikinci yol
Ikinci yuva gerek
Ruhuna bir sans ver
kendine iyi bak güzel gönül

In jedem schlägt ein Doppelherz
Einmal hier und dann da zuhause
Der Kopf fliegt schon mal voraus
Der Atem bekommt seine Pause

Gönn dir 'ne weitere Seele
Tapetenwechsel als Ausgleich
Schick deinen Kopf in die Wüste
Oder deinen Bauch nach Frankreich

Erzähl von deiner zweiten Welt
Mit der dazugehörigen Portion Gefühle

Und flieg und tanz
Reisen ist wie neubetankt
Und schweb und fahr woanders wird der Kopf so klar
Kein Sinn und Zweck
Es zählt nur der Seiteneffekt
Mach dich einfach mal rar

Hopla, zipla, gel delice eglen
Aç daralmis gönlünü bana
Geç, geç, geç kendinen
Sabaha kadar eglen

Auch du bist so vieles mehr
Schwarz und weiß im Wechsel
Man lebt auch mal seinen Ort leer
Und braucht dann wieder neue Rätsel

Ich bin zuhause auf Beton und Asphalt
Da, wo die Großstadt nie schläft
Zuhause am Strand unter Palmen
Und dort, wo das Herz meiner Großmutter schlägt

Wechsel die Tapete, atmen für die Seele
Auf Dauer wird jeder Ort zum Käfig
Mehr als deine Sprache, mehr als deine Farbe
Ich pass nicht in die roten Linien deiner Karte

Erzähl von deiner zweiten Welt
Mit der dazugehörigen Portion Gefühle

Und flieg und tanz
Reisen ist wie neubetankt
Und schweb und fahr
Woanders wird der Kopf so klar
Kein Sinn und Zweck
Es zählt nur der Seiteneffekt
Mach dich einfach mal rar

Hopla, zupla, gel delice eglen
Aç daralmis gönlünü bana
Geç, geç, geç kendinen
Sabaha kadar eglen

Hopla, zipla, gel delice eglen
Aç daralmis gönlünü bana
Geç, geç, geç kendinen
Sabaha kadar eglen

Drei, zwei, eins, vier!

Jeder braucht seinen Fluchtpunkt
Seinen Platz, 'ne zweite Heimat
Sehnsuchtsort unter Palmen
Hochplateau oder Meer satt


ZUR ENTSTEHUNG

Herbert Grönemeyer zählt zu den erfolgreichsten zeitgenössischen Musikern Deutschlands. Für Grönemeyer hieß Musikmachen auch schon immer politisch sein, Haltung zeigen. Mit seiner neuen Single "Doppelherz / Iki Gönlüm" schaltet sich der Popsänger Herbert Grönemeyer  in die aktuelle Debatte um Fremdenfeindlichkeit ein. In seinem ersten deutsch-türkischen Song geht es um Heimat und den Umgang mit Rechtsruck in der Gesellschaft. Er ist ein starkes, politisches Statement für kulturelle Vielfalt - in der Seele, wie auch im Lande. Und eine leidenschaftliche Absage an die zurzeit immer engstirniger und populistischer geführten Debatten um Heimat und Identität. Kein Deutschtürke solle sich die Frage stellen müssen, ob er hierhergehöre oder nicht, findet der in Berlin lebende Sänger: "Das sind Deutsche, und die gehören hierher, genauso wie ich." Für viele Deutsche mit türkischen Wurzeln ist die Kernaussage des Songs gelebte Realität. Mit Deutschland eng verwachsen, bleibt der Herkunftsort der Eltern oder Großeltern für viele Deutschtürken immer Sehnsuchtsort. Grönemeyer singt den Song gemeinsam mit dem Kreuzberger Rapper Andac Berkan Akbiyik, genannt BRKN.

Zur Aussage des Songs Herbert Grönemeyer in einem WDR-Interview:

"Es geht um diese Vielfalt, die wir in Deutschland haben. Ich bin selber im Ruhrgebiet aufgewachsen. In den 50er, 60er Jahren kamen in unser graues Ruhrgebiet Menschen aus Griechenland, Spanien und Italien, aus Polen, aus der Türkei und der ganzen Welt, und wir waren damals stolz, dass sie überhaupt zu uns kamen. Wir waren dankbar, dass sie mit anpacken wollten. So bin ich groß geworden, so ist auch das Land groß geworden, das ist auch die Schönheit von Deutschland. Und ich glaube, dass man klar machen muss, dass diese Vielfalt und diese verschiedenen Seelen und Seelen mit internationaler Geschichte dieses Land prägen, und das hoffentlich immer weiter tun.

Ich glaube, es ist diese Merkwürdigkeit, dass die Welt anfängt, sich wieder zu teilen. Ich halte das als den letzten Versuch, das aufzuhalten. Die Welt wird komplexer, die Welt ist komplizierter und wir haben das große Glück, dass wir mit vielen verschiedenen Köpfen denken und mit verschiedenen Köpfen anfangen, die Probleme gemeinsam zu bewältigen. Das ist meine Idee. Ich glaube einfach, dass die junge Generation heutzutage für dieses Europa ist. Die sehen das nicht mehr so nationalistisch, wie wir das mal gesehen haben, mit Grenzübergängen. Für sie ist es selbstverständlich, nach Madrid, Kopenhagen oder London zu fahren. Die junge Generation hat dieses Gefühl von Nationalität gar nicht. Und das heißt ja nicht, dass man nicht eine Heimat mögen darf. Im Gegenteil. Aber dass einem klar sein muss, dass wenn ich meine Heimat mag, dann auch mein Nachbar bitte seine Heimat mögen sollen dürfte."

Über die Machart des Songs:

"Entstehen sollte etwas Spielerisches, der Song sollte lebensbejahend sein. Ich habe versucht, auch so ein bisschen in die türkische Musik einzutauchen, aber mit meiner Grönemeyer-Attitüde. Beim Video-Drehen waren wirklich Menschen aus aller Welt, von Afrikanern über die Amerikanerin über Asiaten über Menschen aus der Karibik. Der Abend war allein schon ohne das Video klasse. Das hatte so etwas unheimlich Lebendiges, und war entspannt, keiner spielte sich auf."

 

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Thema Migranten und Fremdenfeindlichkeit in unserem Themenkatalog