Informations-Portal zur politischen Bildung

Der Onlinekatalog der Zentralen

*** Willkommen bei unserem Adventskalender! ***

Hinter jeder Kugel unseres musikalischen Adventskalenders verbirgt sich ein anderer politischer Song. Von jedem Song werden zunächst nur ein paar Liedzeilen veröffentlicht, anhand derer es dann zu erraten gilt:

- Wie lautet der Songtitel?
- Von wem wird er
gesungen?
- In welchem Jahr ist er entstanden?

Viel Spaß beim Mitraten!

SONG 17

Adventskalender Song 17

> Auflösung

 

SÖHNE STAMMHEIMS aus dem Jahr 2001 gesungen von JAN DELAY

ohhh jajajaja, weijaa...
ohhh jajajaja, weijaa...

Endlich sind die Terroristen weg,
und es herrscht Ordnung und Ruhe und Frieden,
und das bisschen Gesindel, das noch in den Knästen steckt,
tut sowieso keinen mehr interessieren...

Nun kämpfen die Menschen nur noch für Hunde und Benzin,
folgen Jürgen und Zlatko und nicht mehr Baader und Ensslin,
die, die Unheil und Armut und Krankheit verbreiten,
für sie herrschen sorglose Zeiten,
da kein bisschen Sprengstoff sie daran hindert, ihre Geschäfte zu betreiben,
endlich ham sie keine Angst mehr,
verkaufen fröhlich ihre Panzer,
jeden tag sieben Kinder abschieben,
und dann zum Essen mit dem Kanzler...

Endlich sind die Terroristen weg,
und es herrscht Ordnung und Ruhe und Frieden,
und man kann wieder sicher Mercedes fahren,
ohne dass die Dinger immer explodieren.

Endlich sind die Terroristen weg,
endlich kann nichts mehr passieren.
endlich sind die Terroristen weg,
und es herrscht Ordnung und Ruhe und Frieden.

ohhhhhh ja

ZUR ENTSTEHUNG

"Söhne Stammheims" erschien im Frühahr 2001 auf Jan Delays Sudioalbum "searching for the jan soul rebels", eine der ersten deutschsprachige Roots-Reggae-Platten . Der deutsche Hip-Hop-Musiker Jan Delay  ist Mitglied der Gruppe "Beginner" (ehemals Absolute Beginner) und auch als Solokünstler aktiv. Die Reime in seinen Texten strotzen vor Wortwitz und Ironie.

Wie auch einige andere Bands in dieser Zeit,  widmete sich auch Jan Delay mit seinem Song  "Söhne Stammheims" der linksextremistischen terroristischne Vereinigung RAF

Wolfgang Kraushaar in seinem Aufsatz "Mythos RAF":

In Filmen, Songtexten, Literatur, Werbung und Mode findet eine Trivialisierung, Romantisierung und Popularisierung der RAF statt. Es schien sich, wenn auch nur vorübergehend, um eine regelrechte Welle zu handeln, die der gerade untergegangenen RAF als popkulturelles Artefakt plötzlich erneut Aufmerksamkeit verschaffte. Die Rede war nun von "RAF ist hip", "RAF ist chic", "RAF goes Pop"

Mit der Verklärung von Baader, Meinhof & Co., ihrer Trivialisierung, Romantisierung und Popularisierung, geht gewiss auch eine Bagatellisierung ihrer Taten und denen des Terrorismus insgesamt einher.

Dies alles wäre in den 1970er und 1980er Jahren kaum vorstellbar gewesen. Möglich wurde es erst unter der Voraussetzung, dass die RAF aufgehört und sich die mit ihr verbundene Aufregung gelegt hatte.


Jan Delay in einem Interview mit der taz:

"Ich wollte nicht, dass sie alle Terroristen werden, sondern dass sie die RAF reflektieren und merken: Damals gab es Menschen, die haben tausendmal mehr Haltung an den Tag gelegt als heute irgendjemand. Das fand ich einfach krass und bewundernswert."

Dem Vorwurf, die RAF zu verklären entgegnete er:

"Natürlich sag ich nicht: Knallt Leute ab. Das ist ja das Schlimmste, auf keinen Fall, niemals. Mir geht es eher um die Grundideen, die Bewegung 2. Juni finde ich gut. Aber trotzdem reimt sich nun mal "Ensslin/Benzin" so geil. Wenn man einen Dreiminutensong schreibt, kann man nicht differenziert über ein Thema reden. Da machst du dir eher Gedanken über Entertainment und gute Reime, um den Grundgedanken rüberzubringen. Das nervt mich so an diesem Linkstum: Wieso muss alles totdiskutiert werden?

Nicht Protest muss Entertainment sein, wenn in meiner Musik Protest passiert, dann muss das Entertainment sein."

 

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Thema Linksextremismus - RAF in unserem Themenkatalog