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*** Willkommen bei unserem Adventskalender! ***

Hinter jeder Kugel unseres musikalischen Adventskalenders verbirgt sich ein anderer politischer Song. Von jedem Song werden zunächst nur ein paar Liedzeilen veröffentlicht, anhand derer es dann zu erraten gilt:

- Wie lautet der Songtitel?
- Von wem wird er gesungen
?
- In welchem Jahr ist er entstanden?

Viel Spaß beim Mitraten!

SONG 11

> Auflösung

 

SCHREI NACH LIEBE  aus dem Jahr 1993, gesungen von DIE ÄRZTE

Du bist wirklich saudumm, darum geht's dir gut .
Hass ist deine Attitüde, ständig kocht dein Blut.
Alles muss man dir erklären, weil du wirklich gar nichts weißt.
Höchstwahrscheinlich nicht einmal, was Attitüde heißt!

Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe.
Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit.
Du hast nie gelernt dich zu artikulieren .
Und deine Eltern hatten niemals für dich Zeit,
Oh, oh, oh, Arschloch!

Warum hast du Angst vorm Streicheln, was soll all der Terz?
Unterm Lorbeerkranz mit Eicheln, weiß ich schlägt dein Herz.
Und Romantik ist für dich, nicht bloß graue Theorie .
Zwischen Störkraft und den Onkelz steht ne Kuschelrock-LP .

Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe.
Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit.
Du hast nie gelernt dich zu artikulieren .
Und deine Eltern hatten niemals für dich Zeit,
Oh, oh, oh, Arschloch!

Weil du Probleme hast, die keinen interessieren,
weil du Schiss vorm Schmusen hast, bist du ein Faschist .
Du musst deinen Selbsthass nicht auf andre projizieren,
damit keiner merkt, was für ein lieber Kerl du bist,

Oh, oh, oh,
Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe.
Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit.
Du hast nie gelernt dich artizukulieren .
Und deine Freundin, die hat niemals für dich Zeit,
Oh, oh, oh, Arschloch, Arschloch, Arschloch!

 

ZUR ENTSTEHUNG

"Schrei nach Liebe" ist ein Lied der Berliner Punkrock-Band Die Ärzte. Es gilt bis heute als eines der bekanntesten Lieder gegen Neonazis.

Es war das erste Lied der Gruppe, in dem sie sich öffentlich politisch positionierte. Zwar ist auch vorher weitgehend unstrittig gewesen, dass Die Ärzte eher linke Positionen vertreten; dies fand vor ihrer vorläufigen Auflösung 1988 in ihren Liedern jedoch keinen Niederschlag, da sie bewusst auf politische Aussagen verzichteten und den Spaßfaktor ihrer Musik in den Vordergrund stellten, um sich vom Politpunk abzugrenzen. In den Anfangsjahren der Band fanden sich vereinzelt Rechtsradikale unter ihren Fans, jedoch nur weil die Band auf Deutsch sang. Die Ärzte hatten in ihren Anfangsjahren ein (unveröffentlichtes) Lied namens Eva Braun in ihrem Repertoire, dessen ironischen Umgang mit der Hitler-Geliebten die wenigen Rechtsradikalen unter den Fans ignorierten. Gerade um jegliche Missverständnisse ihrer politischen Gesinnung zu vermeiden, schrieben Die Ärzte "Schrei nach Liebe".

Weil in dem Lied mehrfach "Arschloch!" gerufen wird, wurde es zuerst von zahlreichen Radiosendern nicht gespielt. Lidia Antonini, eine Radioredakteurin beim Hessischen Rundfunk, hatte an dem Lied Gefallen gefunden und verfasste ein Schreiben an andere Redakteure mit der Aufforderung, das Lied im Radio zu spielen, obwohl es aufgrund der „Arschloch!“-Ausrufe unter dem Niveau der Sender läge.

Ende August 2015 rief der Musiklehrer Gerhard Torges die Social-Media-Bewegung "Aktion Arschloch" ins Leben. Er wollte damit so viele Menschen wie möglich gegen die fremdenfeindlichen Ausschreitungen gegen Flüchtlinge im Sommer 2015 und für Toleranz sensibilisieren. Sein Ziel war es, das Lied Schrei nach Liebe in Anlehnung an die Ausschreitungen von 1993 wieder in die Charts zu befördern. Der Aufruf empfahl dazu neben dem Kauf der Single auf CD oder als MP3 auch wiederholtes Anschauen des Musikvideos auf Videoplattformen, positive Bewertung bei Onlineshops und das Verbreiten der Aktion auf diversen Social-Media-Plattformen. Die Ärzte gaben daraufhin auf ihrer Website bekannt, dass sie die Aktion unterstützen und sämtliche Einnahmen durch die Aktion (auch die GEMA-Einnahmen durch Airplays) an Pro Asyl spenden werden. Tatsächlich schaffte das Lied es auf Anhieb wieder auf Platz 12 der deutschen Singlecharts. In der darauffolgenden Woche, am 11. September 2015, erreichte das Lied zum ersten Mal in seiner 22-jährigen Geschichte Platz 1 der Charts.

 

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Thema Rechtsextremismus und in unserem Themenkatalog