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Frankreich - fluter Nr. 62/2017

In Frankreich überlagern sich mehrere Krisen. Die Antworten, die nach der Präsidentschaftswahl gefunden werden, sind entscheidend.

Frankreich ist mehr als nur ein Nachbar Deutschlands. Die beiden Länder verbindet eine lange Geschichte. Angesichts brutaler Auseinandersetzungen in der Vergangenheit ist die deutsch-französische Verständigung als Motor der europäischen Einigung fast ein Wunder. Sie hat uns seit Generationen einen Alltag friedlicher Normalität und Verbundenheit gebracht. Was nach außen in Europa gelang, steht im Inneren für Frankreich mittlerweile infrage. Die soziale Spaltung hat durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise zugenommen, den dynamischen Zentren stehen Regionen gegenüber, die abgehängt sind. Hier wird der Rechtspopulismus immer wieder mehrheitsfähig. Und die nur sehr zögerlich aufgearbeitete koloniale Vergangenheit kehrt auch in den Gestalten des Terrorismus von heute wieder. Die unvollendete, heute zum Teil gescheiterte Integration, und der grassierende Rassismus verschärfen die ohnehin entfalteten Konflikte der französischen Gesellschaft. Frankreich hat dennoch alles, um seiner Krisen Herr zu werden. Seine Wirtschaft ist stärker, als es scheint, seine Kultur reich und bewundert. Staatlich vorangetriebene Infrastrukturen sind Ausdruck von Gestaltungswillen und Zukunftsoptimismus. Wird es gelingen, das Land weiter zu modernisieren und den sozialen und kulturellen Ausgleich zu erneuern? Welche Rolle und Position wird es in Europa und in der Welt einnehmen? Die Antworten, die in Frankreich nach der Wahl gefunden werden, sind entscheidend. Gerade auch für uns in Deutschland und Europa.